Freitag, 6. April 2012

Der Zwergkrallenfrosch


Der Zwergkrallenfrosch verleitet aufgrund seines putzigen Aussehens sicher viele Aquarianer zu einem Spontankauf. Seine Ansprüche an die Haltung sind zwar durchaus zu erfüllen, für ein Gesellschaftsbecken ist der kleine Kerl aber eher nicht geeignet. Ich mag mir gar nicht ausmalen, wie viele dieser spontan gekauften und in Gesellschaftsbecken einquartierten Fröschchen ein kurzes Leben mit zahlreichen Entbehrungen fristen. Um  Interessieren einen kurzen Überblick über die Bedürfnisse des Zwergkrallenfrosches zu geben, habe ich mich entschieden, hier darüber zu berichten. Ihr werdet sehen: So schwer ist er gar nicht zufrieden zu stellen und dann begeistert er auch mit einem Verhalten, das zu langen Beobachtungen einlädt...


Zunächst möchte ich darauf hinweisen, dass nicht alle kleinen aquatile (dauerhaft unter Wasser lebende) Frösche, die man im Zoohandel findet, Zwergkrallenfrösche sind. Auch Krallenfröschen (Xenopus) werden angeboten. Für den Laien ist es oft nicht auf den ersten Blick erkennbar, welchen der beiden er vor sich hat, wenn es sich um Jungtiere handelt. Der Krallenfrosch wird bis zu 13 cm lang, während der Zwergkrallenfrosch (meist handelt es sich um Hymenochirus boettgeri) ca. 3,5 cm Länge erreicht. Es macht also durchaus einen Unterschied, welche Frösche man erwirbt - spätestens, wenn sie ausgewachsen sind. Ein sicheres Unterscheidungkriterium, das auch auf Jungtiere zutrifft, ist das Vorhandensein bzw. Nichtvorhandensein von Schwimmhäuten an den vorderen Gliedmaßen.  Die größer werdenten Xenopus-Arten haben lediglich an den Füßen Schwimmhäute, während der Zwergkrallenfrosch an Händen und Füßen Schwimmhäute besitzt.

Die natürliche Heimat der Zwergkrallenfrösche ist West- und Zentralafrika. Hier leben sie in Regenwald-Gewässern. Daraus resultieren ihre Ansprüche an die Wasserbedingungen. Zwar kann man Zwergkrallenfrösche auch in leicht alkalischem Wasser halten, ein pH-Wert unter 7 ist meiner Meinung nach aber besser geeignet. Auch Zusätze von Torf kommen den Fröschen entgegen.
Ich empfehle die Haltung in einem Artbecken (zur Vergesellschaftung unten mehr) ab einer Kantenlänge von 50 cm für eine kleine Gruppe. Das Becken sollte viele Versteckmöglichkeiten bieten. Vorsicht ist allerdings bei Steinaufbauten geboten, da die ZKF gerne buddeln und lose Steinhaufen durch Untergraben zum Einstürtzen bringen können. Der Bodengrund sollte möglichst aus Sand bestehen, um das Graben nach Nahrung, das zum natürlichen Verhalten gehört, zu ermöglichen.
Verstecke kann man gut mit Wurzeln, größeren Steinen, einer guten Bepflanzung und einer Schicht Falllaub auf dem Boden schaffen. 



Die Höhe des Wasserstandes sollte zwischen 8 und 20 cm liegen. Die Frösche suchen zum Luftholen die Wasseroberfläche auf. Unter normalen Umständen verlassen sie das Becken nicht, sind aber durchaus in der Lage dazu, weshalb das Becken abgesichert sein muss. In der Natur wandern ZKF kurze Strecken über Land um neue Gewässer aufzusuchen, wenn dies nötig wird, z. B. wegen Austrocknung des bisherigen Gewässers. Sollte man beobachten, dass ein ZKF im heimischen Becken »Ausbruchversuche« unternimmt, kann man das als Hinweis deuten, dass etwas an der Haltung nicht optimal ist. Sind die Wasserwerte in Ordnung? Ist ein potentieller Geschlechtspartner vorhanden? Leben im Becken andere Tiere, die den Frosch stören könnten? Bekommt der ZKF ausreichend Futter?

Das Thema Futter ist einer der Hauptgründe, weshalb ZKF nicht für »Dosenfutter-Aquarianer« und nur bedingt für Gesellschaftsbecken geeignet sind.
Der Zwergkrallenfrosch nimmt bevorzugt Lebendfutter. Bewährt haben sich Rote Mückenlarven, Tubifex, ausgewachsene Artemia, kleine Fliegenmarden, Glanzwürmer und kleine Regenwürmer. Wasserflöhe, Bachflohkrebse, Schwarze und Weiße Mückenlarven können auch gereicht werden - hier haben die Frösche allerdings eine Weile mit dem Fang zu tun, um satt zu werden. Das ist natürlich eine gute Beschäftigung, aber in Gesellschaft von flinken Fische werden die Frösche hier das Nachsehen haben. Wenn man zeitweise kein Lebendfutter beschaffen kann, können auch verschiedene Frostfuttersorten gereicht werden. Hier habe ich die Erfahrung gemacht, dass am besten Rote und Schwarze Mückenlarven genommen werden.

Um noch einmal auf die Vergesellschaftung mit Fischen zu kommen: Wie oben angedeutet, sind ZKF keine besonders schnellen Jäger. Meist beobachten sie ihre Beute erst eine Weile, bevor sie sich entschließen zu fressen. Auch wird Futter bevorzugt vom Boden aufgenommen.

 Das zögerliche Fressverhalten verdeutlichen diese Bilder ganz gut:




Leben im Becken schnelle Fische - und das sind wohl die meisten - so haben die Frösche schlechte Chancen, an ausreichend Futter heran zu kommen. Wer kennt nicht den Anblick total abgemagerter Zwergkrallenfrösche in Händlerbecken, wo sie einfach zu irgendeiner Fischart gesetzt werden. Ob es hier überhaupt Lebendfutter gibt? Sicher gibt es Ausnahmen und bei einem verantwortungsbewussten Zoohändler wird man entweder gut genährte oder eben gar keine ZKF bekommen.
Wer mit etwas Fingerspitzengefühl und Kenntnis über das Fressverhalten an die Vergesellschaftung heran geht, braucht auf Fische nicht zu verzichten. Aus eigener Erfahrung kann ich beispielsweise langflossige Zuchtformen kleiner Lebendgebärenden empfehlen (in Abhängigkeit der Wasserwerte), denn diese sind nicht gerade die schnellsten Schwimmer. Hier muss natürlich darauf geachtet werden, dass die Fischpopulation nicht überhand nimmt (da hilft der Appetit der ZKF mit, denn auch Fischbrut wird verspeist) und dass ausreichend Futter auf den Boden sinkt. Ein gutes Hilfsmittel ist eine große Pipette, mit der man die Futtertiere z. T. in die Nähe der Frösche spritzen kann. Auch mit kleineren Saugwelsen (z. B. Otocinclus, LG2) kann ich mir eine Vergesellschaftung gut vorstellen.
Verschiedene Schnecken (Turmdeckelschnecken und Posthornschnecken sind gut geeignet; weniger geeignet sind die Apfelschnecke und die Zebraapfelschnecke, da die Frösche diesen an den Fühlern zupfen) und Zwerggarnelen können problemlos das ZKF-Becken mitbewohnen. Sie machen sich sogar nützlich, indem sie liegengebliebenes Futter verwerten. Der Garnelennachwuchs bereichert zudem das Nahrungsangebot der Frösche. Man sollte also eine vermehrungsfreudige Art wählen.

Eine starke Strömung sollte vermieden werden. Bei ausreichendem Wasserwechsel und gutem Pflanzenwuchs kann man auf einen Filter verzichten. Auch die Beleuchtung darf ruhig schwach ausfallen. Pflegt man anspruchsvollere Pflanzen, die auf eine gute Beleuchtung angewiesen sind, sollte man den Fröschen einige schattige Zonen einrichten sofern diese sich nicht ohnehin durch die Pflanzen ergeben. Ansonsten greift man auf anspruchslose Pflanzen wie z. B. Javafarn, Moose, Hornkraut oder Anubias zurück.
Eine Heizung sollte man allerdings installieren, damit die Temperatur nicht unter 20°C absinkt. Das Optimum liegt m. E. sogar noch darüber. Auch wenn die ZKF eine recht große Temperaturspanne tollerieren: Die niedrigste und die höchste Angabe sind keine geeigneten Temperaturen für eine dauerhafte Haltung, sondern werden nur kurzzeitig vertragen. Einige ZKF-Halter überwintern die Tiere bei Temperaturen im unteren Spektrum der hier gemachten Angaben. Ich habe bislang allerdings nur im Sommer auf eine Heizung verzichtet - da lagen die leichten Schwangungen noch immer im mittleren Bereich der zuträglichen Temperaturspanne.

Auf einen Blick:
Temperatur 20 bis 30°C
optimal bei 24/25°C
ph-Wert 6 bis 7,8
Gesamthärte ca. 8°d



1 Kommentar:

  1. Danke für diesen Beitrag! Ich möchte mir am Montag Zwergis kaufen und jetzt brauch ich noch ne Heizung ins Aquarium :) zum glück hat mein Vater noch ne kleine :D ich hab aber auch ein kleines Aquarium :)

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