Donnerstag, 1. Oktober 2009

Die Fruchtstände der Erle - aquaristisch wertvoll



Seit langem schon werden sogenannte Schwarzwasserbereiter im Handel angeboten, die eine leichte Anhebung des pH-Wertes, eine Senkung der Wasserhärte und ein schönes bernsteinfarbenes Wasser hervorrufen. Außerdem wird das Wasser mit verschiedenen Stoffen, etwa den Humin- und Gerbstoffen, angereichert, was sich positiv auf das Wohlbefinden der Tiere auswirkt. Gerbstoffe wirken entzündungshemmend, antibakteriell, antiviral und sie neutralisieren außerdem Giftstoffe. Allerdings sollte man bei der Dosierung nicht gar so »großzügig« vorgehen - in größeren Mengen wirken Gerbstoffe selbst giftig. Huminsäure, häufig Bestandteil von »Torfzusätzen«, haben die Fähigkeit, Schwermetalle zu binden. Des weiteren zeichnen sich Huminstoffe für die Aquaristik durch ihre hohe Kationen-Austausch-Kapazität aus. Solche Präparate sind ein gutes Mittel, unser pH-neutrales oder alkalisches Leitungswasser (und das haben wir in ganz Deutschland, da dies so gesetzlich vorgeschrieben ist) in einen für Tropenfische geeignetes Millieu zu verwandeln. Doch wie immer geht es auch anders: Eine ganze Reihe heimischer Bäume liefern uns ebenfalls die begehrten Substanzen. Hier möchte ich die Erle vorstellen.

Erlen
gehören zur Familie der Birkengewächse. In Mitteleuropa sind die Grün-, die Grau- und die Schwarz-Erle heimisch. Erlen findet man bevorzugt in unmittelbarer Wassernähe, etwa an Seen, Flüssen oder an Bachläufen. In meiner Wohngegend kommt am häufigsten die Schwarz-Erle Alnus glutinosa vor, so dass meine Erfahrungen hauptsächlich auf deren Zapfen beruhen.
Erlenzäpfchen oder -zapfen sind verholzte weibliche Blütenstände. Meist hängen sie noch bis zum Folgejahr am Baum und können gut gepflügt werden. Im trockenem Zustand kann man sie lange lagern und hat so die Möglichkeit, sich gleich einen ganzen Jahresvorrat anzulegen.

Ab ins Aquarium
Man kann die trockenen Erlenzäpfchen einfach so ins Aquarium geben - nach wenigen Tagen sinken sie zu Boden und stehen so auch den bodenbewohnenden Tieren wie Wirbellosen und Welsen zur Verfügung. Denn außer den oben genannten positiven Einflüsse auf das Wassermillieu dienen die Erlenzäpfchen, wie auch Laub und anderes organisches Material, unzähligen Mikroorganismen als Lebensgrundlage und stellen so wiederum eine Futterquelle für höhere Tiere dar.
Man kann das Absinken beschleunigen, indem man die Zapfen mit heißem Wasser überbrüht, so stellt man ferner sicher, dass keine ungebetene Gäste mit ins Becken gelangen. Ich gebe die benötigte Menge Erlenzapfen und verschiedener Blätter in eine Glasschale (Auflaufform) und überbrühe diese mit kochendem Wasser. Bereits am nächsten Tag gehen alle Materialien gleich unter, wenn ich sie in die Aquarien gebe. Die dabei entstandene Brühe kann ebenfalls eingesetzt werden - das ist nun mein eigenes »Tropen-Elixier« :-) Für kleinere Becken empfiehlt sich diese Vorgehensweise, da ein Großteil der Stoffe aus den Zäpfchen und Blättern bereits an das Wasser in der Schale abgegeben wurde und man beim Einsatz der Zäpfchen/Blätter nicht mehr Gefahr läuft, über zu dosieren.

Fazit: In der Wirbellosenhaltung und auch bei der Haltung tropischer Zierfische lohnt sich der Einsatz von Erlenzäfchen m. E. auf jeden Fall. Und wer sich die Mühe macht, selber in der Natur auf die Suche nach Erlen zu gehen, der trägt damit sogar noch zum eigenen Wohlbefinden bei...

Kommentare:

  1. Hallo, ein schönes Blog! Ich wüsste gerne, ob sie die Zäpfchen grün pflücken oder warten, bis sie braun sind. Die aus dem Folgejahr dürften doch durch den Regen schon ausgewaschen sein, oder? Was sind da ihre besten Erfahrungen? Und wie viele pro 10l Wasser würden sie beim Wasserwechsel einsetzen?

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  2. Hallo, freut mich, dass Ihnen meine Berichte gefallen.
    Zu Ihrer Frage: Ich verwende braune Erlenzäpfchen, aus denen die Samen bereits herausgefallen sind. Auch ältere Erlenzäpfchen kommen bei mir zum Einsatz. Die Argumentation mit ausgewaschenen Wirkstoffen ist mir bekannt und sicher auch nicht von der Hand zu weisen. Allerdings handelt es sich ohnehin um ein Naturprodukt, dessen Wirkung von ganz unterschiedlichen Faktoren abhängt. Das ist auch der Grund, warum man keine pauschale Aussage zur Dosierung machen kann. Die Art der Wirkung hängt nicht nur von Alter, Größe, Pflückzeitpunkt, Standort des Baumes etc. ab, sondern zudem von des Ausgangs-Wasserwerten des "zu behandelnden" Wassers und was man mit dem Einsatz der Erlanzäpfchen erreichen möchte.

    Wenn man sich der Dosierung unsicher ist oder negative Wirkungen befürchtet, kann man natürlich mit wenigen Zäpfchen beginnen und nachdosieren.
    Die Wirkung, besonders in Bezug auf Ansäuerung, lässt in einem eingerichteten Becken schnell nach. Werden die Zäpfchen nur beim Teilwasserwechsel nachdosier, ist die Wirkung, je nach Wechselintervall, bis zum nächsten Teilwasserwechsel stark vermindert oder gar erloschen.
    Wer es ganz genau wissen möchte, dem hilft nur das kontinuierliche Messer der Wasserwerte im betreffenden Becken.

    Diese Antwort wird nun leider nicht so sehr weiterhelfen, darum hier ein paar Beispiele, wo und wie ich dosiere:

    Verhinderung von Laichverpilzung:
    Ich sammle die Eier in kleinen Schalen und versetze das Wasser so mit dem im Bericht beschriebenen Sud, dass es einen deutlichen Braunstich erhält. Dazu reichen wenige ml des Suds. Hier hängt die Dosierung wiederum von der Fischart ab. Bei Corydoras-Laich beispielsweise setze ich mehr Sud zu als etwas bei den Eiern von Danio-Arten. Eier von Fischen, die in neutralem oder gar alkalischen Wasser leben bekommen nur ein paar Tropfen des Suds, so dass kaum eine Verfärbung des Wassers zu sehen ist. Nach dem Schlupf der Larven setzt man sie in ein der Art entsprechendes Wasser um.

    Wo die Zapfen als Futter dienen, etwa bei meinen Zwergkrebsen, gebe ich die abgebrühten Zapfen ins Becken. Durch das Überbrühen kommt es kaum noch zu Wasserverfärbungen und es ist anzunehmen, dass auch sonstige Wirkungen vermindert sind. Man kann also großzügig Erlenzäpfchen anbieten.

    Um meine Corydoras sterbai zum Ablaichen zu animieren, also eine kurzzeitige Senkung des pH-Werts zu verursachen, gebe ich ca. eine Handvoll Zäpfchen in das Becken (150x50x50 cm). Hierzu muss ich allerding erwähnen, dass ich meine Teilwasserwechsel zum größten Teil mit Regenwasser machen und das Ausgangswasser ohnehin weich und sauer ist.

    Fazit: Einen allgemeingültigen Ratschlag gibt es nicht. Man kann sich aber "herantasten" und mit der Zeit die benötigte Dosis für das entsprechende Vorhaben gut einschätzen. Hier ist sicher der Sud von Vorteil, denn die Abgabe von Stoffen erfolgt nicht permanent über einen längeren Zeitraum.

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